Scheidung mit Trennungsjahr – die wichtigsten Fakten

Scheidung mit Trennungsjahr – In jeder Ehe gibt es Krisen. Sind diese jedoch unüberwindbar, kommt es häufig zur Trennung und zum Wunsch nach der Scheidung. Bevor diese jedoch rechtskräftig gemacht werden kann, muss das Paar ein Trennungsjahr durchleben. Wieso wird dieses Trennungsjahr aber überhaupt gebraucht und wie läuft die Scheidung nach dem Jahr ab?

Das Trennungsjahr – Notwendigkeit, Nutzen & Versöhnungen

Das Trennungsjahr soll den Eheleuten eine letzte Chance auf Versöhnung und genügend Bedenkzeit für diese Lebensverändernde Entscheidung geben. Das Gesetz sieht hier viele Richtlinien vor, an die Paare sich zu halten haben. Wie das Trennungsjahr genau abläuft und wie Paare die Scheidung am einfachsten gestalten können, verraten die Experten von IHV.

Die Basis – Warum überhaupt ein Jahr Trennungszeit?

Die Ehe und die Familie wird als einer der wichtigsten sozialen Institutionen im Rechtssystem angesehen. Das Trennungsjahr soll daher vorbeugend gegen eventuell falsche, rein emotionale und nur zeitlich begrenzte Entscheidungen wirken, die im Nachhinein bereut werden könnten. Auch wenn das Trennungsjahr von vielen Ehepaaren als Schikane oder reine Belastung gesehen wird, ist die Absicht hinter der Regelung klar, die Entscheidung in der gegebenen Zeit zu überprüfen und unter Umständen zu revidieren. Zusätzlich ist die Zeit sinnvoll, um einige für den weiteren Scheidungsverlauf wichtige Dinge zu erledigen. Obwohl es eine Beweispflicht für den Vollzug des Trennungsjahres gibt, ist es nicht möglich den Beginn des Jahres beim Gericht zu beantragen oder beurkunden zu lassen. Es ist daher sinnig den Beginn schriftlich festzuhalten.
Eine Verkürzung oder gar ein komplettes Entfallen des Trennungsjahres kann nur durch eine Härtefallentscheidung des Gerichts nach § 1565 Absatz 2 herbeigeführt werden. Ein Beispiel für eine solche Entscheidung kann extreme häusliche Gewalt sein, die das Gericht als unzumutbare Härte einstuft.

  • Das Trennungsjahr soll als Überdenkzeit für das Paar gelten
  • die Verkürzung des Trennnugsjahres ist nur im sonderfall zulässig

Versöhnungsversuche – die Richtlinien im Gesetz

Versöhnungsversuche während des Trennungsjahres sind durchaus gestattet. Diese unterliegen jedoch gewissen Richtlinien. Versöhnungsversuche, die nicht länger als drei Monate dauern, führen nicht zu einer Unterbrechung des Trennungsjahres. Die Zeit, in der die Trennung unterbrochen wurde, zählt also in die 12 Monate des Trennungsjahres. Bei allen Versuchen, die über drei Monate hinausgehen, geht das Familiengericht davon aus, dass die Eheleute wieder zusammengefunden haben. Das Ehepaar hat zudem die Möglichkeit den Scheidungsantrag innerhalb dieses Jahres selbst zurücknehmen. Soll die Scheidung danach dennoch durchgeführt werden, muss ein neuer Antrag auf Scheidung gestellt werden und das Trennungsjahr beginnt von vorn.

  • Versöhnungsversuche sind gestattet, jedoch unterliegen diese bestimmten Richtlinien
  • Versöhnungen von unter drei Monaten unterbrechen das Trennungsjahr nicht

Der Nutzen – das sollten Sie in dem Jahr regeln

Das Trennungsjahr sollte nicht nur zur Überprüfung der richtigen Entscheidung dienen, sondern kann ebenfalls dafür genutzt werden, wichtige Dinge für die Scheidung zu regeln. Zu diesen Dingen zählt beispielsweise auch die Versicherung. Insbesondere die Krankenversicherung ist umzuschreiben und abzuändern, da Eheleute meist in einer Familienversicherung zusammen versichert sind. Aber auch gemeinsame Mietverträge über Immobilien sind frühzeitig abzuändern und umzuschreiben. Zudem sind die gemeinsamen Bankkonten, falls vorhanden, zu separieren und gemeinsame finanzielle Verpflichtungen, wie Kredite und Darlehen zu lösen.
Das wohl aber wichtigste ist die Scheidungsfolgenvereinbarung. Diese kann von Eheleuten während der Trennungszeit bestimmt werden, um kostenpflichtige Verhandlungen vor dem Familiengericht zu vermeiden. In dieser Vereinbarung, werden praktische Dinge, wie der Umgang mit den Kindern, deren Unterhalt und das Sorgerecht sowie der eigene Unterhalt, die Handhabung der Vermögensangelegenheiten und die gerechte Aufteilung des Hausrates geregelt. Sind die Eheleute sich einig, hilft dieses Dokument bei einer schnellen und kostengünstigen Scheidung. Das Dokument muss von einem Notar beurkundet und immer schriftlich fixiert werden.

  • das Trennungsjahr kann genutzt werden um wichtige Dinge für die Scheidung zu klären
  • eine Scheidungsfolgenvereinbarung kann von dem Ehepaar aufgesetzt werden

Scheidung – Trennungsjahr, Antrag & Kosten

Die Scheidung – einvernehmlich oder in Streit

Eine Scheidung kann auf zwei unterschiedlichen Wegen ablaufen. Es gibt streitige Scheidungen und einvernehmliche. Wie eine Scheidung abläuft, entscheidet das Gericht. Hat das Ehepaar im Trennungsjahr bereits eine Scheidungsfolgenvereinbarung aufgesetzt und alle relevanten punkte im privaten geklärt, handelt es sich um eine einvernehmliche Scheidung, da sich die beiden Parteien einig sind. In einem solchen Fall wird nur ein Anwalt benötigt und die Kosten für das Gericht fallen sehr viel geringer aus. Eine solche Scheidung ist wohl auch für die Eheleute am angenehmsten, da sie nicht im Streit auseinandergehen. Eine streitige Scheidung verläuft jedoch anders. Konnten die Eheleute sich vorab über die zu besprechenden Punkte nicht einigen, so werden diese vor dem Familiengericht geklärt. In diesem Falle benötigen beide Parteien einen Anwalt, was einen großen Kostenfaktor darstellt. Streitpunkte, wie das Sorgerecht um die gemeinsamen Kinder oder die Handhabung der Vermögensangelegenheiten werden vom Richter mit den Parteien besprochen und anschließen festgelegt. Eine Scheidung in Streit ist wohl nie eine einfache Angelegenheit und kann sich häufig über Jahre hinziehen.

  • einvernehmliche Scheidungen sind kostengünstig und einfach für die Eheleute
  • streitige Scheidungen können häufig schwierig werden und hohe Kosten verursachen

Die wichtigsten Fragen zum Thema Scheidung mit Trennungsjahr

Besonders bei streitigen Scheidungen ist die Rechtslage nicht immer eindeutig und für die Eheleute stehen viele offene Fragen im Raum. Damit Sie genauestens über die Regelungen rund um das Trennungsjahr Bescheid wissen, beantworten die Experten von IHV die wichtigsten Fragen.

Kann man die Scheidung vor dem Trennungsjahr einreichen?

Die Scheidung kann grundsätzlich erst nach dem Trennungsjahr eingereicht werden, da laut deutschem Recht, die Eheleute mindestens ein Jahr getrennt leben müssen, bevor die Scheidung eingereicht werden darf. Nur in besonderen Ausnahmefällen kann die Scheidung schon vorher eingereicht werden.

Wie lange dauert es vom Scheidungsantrag bis zur Scheidung?

Die Dauer der Scheidung hängt im Normalfall davon ab, ob sie einvernehmlich oder streitig ist. Einvernehmliche Scheidungen können zwischen ein und sechs Monate dauern, während streitige Scheidungen mehr als ein Jahr brauchen können.

Kann die Scheidung verweigert werden?

Die Scheidung kann vom Ehepartner grundsätzlich verweigert werden. Dauerhaft, ist dies jedoch nicht möglich, da spätestens nach drei Jahren eine zwangsweise Scheidung vom Gericht beschlossen werden kann.

Wie kann man das Trennungsjahr verkürzen?

Das Trennungsjahr kann im Allgemeinen nicht verkürzt werden. Die Verkürzung oder das Wegfallen des Trennungsjahres ist im Allgemeinen nur bei Nachweis eines Härtefalls möglich.

Was kostet eine einfache Scheidung?

Die Kosten für eine Scheidung werden vom Gericht festgelegt und bemessen sich am Verfahrenswert. Zur Berechnung dieses Wertes werden die Einkommens- und Vermögenswerte der Ehepartner mit einbezogen.

Wer trägt die Kosten bei einer Scheidung?

Das Gericht bestimmt die Verfahrenskosten, einschließlich der Anwaltsgebühren. Diese werden aufgeteilt, sodass jede Partei die eigenen Anwaltskosten und die Hälfte der Gerichtskosten zahlt.

Was braucht man alles für die Scheidung?

Bei einer Scheidung werden immer folgende Unterlagen benötigt: Heiratsurkunde bzw. Stammbuch im Original oder beglaubigter Kopie, die Geburtsurkunden der minderjährigen Kinder und mögliche Eheverträge und/oder Scheidungsfolgenvereinbarungen.

Unterhalt nach der Scheidung – die wichtigsten Fakten und Tipps